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BRONCHUSKARZINOM

Von
F.M. Smolle-Jüttner, F. Eckersberger, G.B. Friehs, H. Hausmanninger, K. Kapp,
E. Moritz, A. Offner, H. Popper, N. Pridun, B.Ratzenhofer, G. Röger, G.M. Salzer, Ch. Schwarz


(derzeit Neuauflage 2006 in Überarbeitung, Hrsg.: A. End et al.)

[Inhalt] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [Statistik]

4. PRÄVENTION / FRÜHERKENNUNG

4.1 Zigarettenkonsum

Für das Bronchuskarzinom trifft zu, was für fast kein anderes Malignom der Fall ist: Der hauptverursachende Faktor ist identifiziert. Über 90% aller Bronchuskarzinomfälle gehen zu Lasten des Rauchens. Diese Tatsache ist unbestritten, durch unzählige Studien belegt und seit den 60er Jahren bekannt. Mittlerweile hat sich gezeigt, daß rund 30% aller Neoplasien direkt oder indirekt Zigarettenrauch-induziert sind.

Bei Zigaretten handelt es sich um ein Agens, das alle definierten Kriterien des Suchtgiftes erfüllt: Psychische und somatische Abhängigkeit, Tendenz zur Dosiserhöhung, Bagatellisierung bzw. Negierung negativer Folgen, aggressives Verhalten gegenüber Kritik.

Trotzdem verabsäumt der Gesetzgeber beharrlich jegliche Maßnahmen, die zu einer effizienten Reduktion des Zigarettenkonsums führen würden: Durch die unglückliche Verquickung wirtschaftlicher Interessen (allein die österreichische Tabakregie produziert täglich ca. 14 Mio. Zigaretten) mit staatlichen Institutionen (Koppelung von Gesundheits- und Sportressort, Sportförderung jedoch durch die Tabakindustrie) werden sämtliche diesbezüglichen Versuche – so sie überhaupt stattfinden – medienwirksam (Mediensponserung durch Tabakindustrie) im Keim erstickt. Der Hinweis auf die "Budgetentlastung durch die Tabaksteuer" ist angesichts der Folgekosten des Zigarettenkonsums absurd: Nach Berechnungen aus den USA sind die Folgekosten des Rauchens 2,5 mal höher als die Einnahmen. Offenbar ist man aber in Österreich nicht gewillt, so wie in den USA, die Konsequenzen aus dieser Erkenntis zu ziehen: Internationale Erfahrungen haben gezeigt, daß bereits die Minimalmaßnahme eines Verbots der Tabakwerbung den "Einstieg" von Jugendlichen signifikant verringern würde. PR-Aktionen mit negativer emotioneller Belegung des Zigarettenkonsums und rauchfreie Zonen würden weitere Fortschritte erbringen. Daß es angesichts der fehlenden öffentlichen Unterstützung fast unmöglich ist, den einzelnen, gefährdeten Patienten zur Zigarettenabstinenz zu überreden, belegen folgende Zahlen: 3 von 100 Rauchern sind nach einem Aufklärungsgespräch überhaupt entwöhnungswillig; von den Entwöhnungswilligen schaffen nur 25% den totalen Entzug.

 

4.2 Protektive Substanzen

Mehrere Substanzen haben experimentell vielversprechende protektive Wirkung gezeigt: Es gab Hinweise, daß synthetische Retinoide, Beta-Carotin, Vitamin A, E und C, sowie Selen die maligne Transformation von Bronchialepithelien stoppen könnten. In der klinischen Anwendung bei Rauchern waren die Resultate ernüchternd: Eine rezente Studie mußte sogar wegen einer tendenziell höheren Karzinominzidenz in der Therapiegruppe gestoppt werden.

 

4.3 Früherkennung

Die sogenannten Früherkennungen beim Bronchuskarzinom sind – infolge des Fehlens von Frühsymptomen – fast durchwegs Zufallsbefunde. Daher ist die Rate der bei der Diagnosestellung bereits inoperablen bzw. infausten Fälle erschreckend hoch. Für eine höhere Früherkennungsrate wären allerdings bei den Risikogruppen (Raucher und Passivraucher) Thoraxröntgen, Sputumzytologie und Fiberbronchoskopie alle 4 Monate (!) erforderlich, was weder logistisch noch finanziell durchführbar ist.

Die Abschaffung der aus der TBC-Ära stammenden verpflichtenden Röntgenreihenuntersuchungen, die hin und wieder zur Diagnose von Frühfällen geführt hatte, ist bedauerlich.

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