ZERVIXKARZINOM
Von
P. Sevelda, S.F. Lax, G. Breitenecker, P. Lukas
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2 ÄTIOLOGIE
Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde beobachtet, daß Nonnen nicht an Zervixkarzinom erkranken, also ein Zusammenhang zwischen Sexualverhalten und Zervixkarzinom besteht. Heute weiß man, daß der Hauptrisikofaktor das Alter der Frau ist, in dem regelmäßiger Geschlechtsverkehr aufgenommen wird. Alle anderen bekannten Risikofaktoren, wie Zahl der Sexualpartner, Promiskuität, Geschlechtskrankheiten, mangelnde Hygiene, Anzahl der Geburten und Aborte, niedriger sozioökonomischer Status, etc. stehen mit diesem Faktor in Zusammenhang. Als Hauptursache für die Entstehung eines Zervixkarzinoms werden durch den Geschlechtsverkehr übertragene Virusinfektionen angesehen, sodaß von vielen Autoren das Zervixkarzinom als eine durch Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit (Sexually Transmitted Disease = STD) bezeichnet wird. Die Transformationszone ist durch die hier häufig ablaufenden entzündlichen, regenerativen, reparativen und metaplastischen Vorgänge ein Zielorgan für Kanzerogene (Zervixkarzinom = exogener Reizkrebs). Unter den Virusinfektionen wird seit langem das Herpes simplex-Virus Typ II (HSV II) als kanzerogen angesehen. In den letzten Jahren konzentriert sich das Interesse auf das humane Papillomavirus (HPV), das als Ursache für Condylomata accuminata an Vulva, Anus und unterer Vagina seit langem bekannt ist. Bisher wurden etwa 70 HPV-Typen identifiziert, von denen jedoch nur einige im weiblichen Genitaltrakt vorkommen. Die Typen 6/11 kommen vorwiegend bei Condylomen oder leichten Dysplasien, die Typen 16/18 und 31/35/51, sowie andere seltenere hingegen in etwa 70% bei schweren Dysplasien und in 90% bei Karzinomen vor. Eine Identifizierung der Typen ist heute durch die in-situ-Hybridisierung in histologischen Schnitten und Ausstrichpräparaten möglich. Die Durchseuchung der Bevölkerung mit HPV ist sehr hoch (etwa 30-70 %), die Hälfte davon mit Typen hoher Onkogenität. Da nicht alle infizierten Frauen an Zervixkarzinomen erkranken, muß angenommen werden, daß für die Entstehung des Zervixkarzinoms noch andere Kofaktoren (Immunabwehr, genetischer Hintergrund, chronische Infektionen, Koinfektion mit anderen Viren, geographische Faktoren, hormonelle Faktoren, Rauchen, Umwelteinflüße) eine Rolle spielen. Ein direkter Einfluß oraler Kontrazeptiva (Pille) auf die Entstehung des Zervixkarzinoms konnte nicht bewiesen werden, da sexuelle Aktivität und Anwendung von Ovulationshemmern ebenso positiv miteinander korrelieren wie eine gesteigerte sexuelle Aktivität mit dem Risiko für das Zervixkarzinom. |
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