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3. Gallenblasen- und Gallengangskarzinome
| Häufigkeit: In den Jahren
1990-92 wurden durchschnittlich 623 Neuerkrankungen/Jahr (178
Männer, 445 Frauen) in Österreich registriert. Im Vergleich zu
1983 kam es dabei zu einem Rückgang von 21,3% auf 8,0/100.000
EW/Jahr (WHO-Standard 3,9/100.000). Der Anteil an der Gesamtkrebsinzidenz
beträgt 1,6%. Auch europaweit kam es zu einem Rückgang: 1990 waren
es 4,7/100.000 der Bevölkerung, die an Gallenblasen- oder Gallenwegskarzinomen
erkrankten. Sterberate: Während 1980 8,7/100.000 am Gallenblasen- oder Gallengangskarzinom verstorben sind, waren es 1990-92 durchschnittlich 6,6/100.000 EW/Jahr (-25,7%) (WHO-Standard 3,0/100.000). Absolut waren es 1990-92 durchschnittlich 515 Todesfälle/Jahr (146 Männer, 369 Frauen). Der Anteil an der Gesamtkrebssterberate beträgt 2,3%. Altersentwicklung/Geschlechtsverteilung: Das Gallenblasenkarzinom tritt bevorzugt bei Frauen zwischen dem 6. und 8. Lebensjahrzehnt auf; das Gallenwegskarzinom dagegen gehäuft bei Männern jenseits des 6. Lebensjahrzehntes. Risikofaktoren: Es besteht in 70-90% der Fälle eine Koinzidenz zwischen einem Gallenblasenkarzinom und einer Cholelithiasis, sodaß ein pathogenetischer Zusammenhang naheliegt, aber nicht bewiesen ist. Nach Obduktionsstatistiken entwickelt sich ein Karzinom in weniger als 1% aller Gallensteinträger (Ausnahme: exulzerierende Cholecystitis = Präkanzerose?).
Symptome: Gallenblasenkarzinom: Das Beschwerdebild ist uncharakteristisch. Rechtsseitige Oberbauchbeschwerden (75%), Übelkeit und Erbrechen (30%), Gewichtsabnahme (30%) sind häufig. Ein Ikterus liegt in etwa 40% der Fälle vor und beruht auf einer fortgeschrittenen Karzinominvasion. Meist wird die Diagnose aber erst intra- oder postoperativ am Präparat gestellt. Gallengangskarzinom: Das häufigste Initialsymptom ist der schmerzlose Ikterus (beim Bifurkationskarzinom in 100%, beim Choledochuskarzinom in 90% der Fälle). Gelegentlich geht ein Pruritus voraus. Gewichtsabnahme, eine schmerzhafte Hepatomegalie und bei distalem Sitz, eine palpable Gallenblase (Courvoisier), können vorliegen. Therapie: Bei einem präinvasiven Karzinom, meist erst sekundär als histologischer Zufallsbefund diagnostiziert, ist die Cholezystektomie die Therapie der Wahl. Bei einem kleinen, ebenfalls erst postoperativ entdeckten Karzinom mit Infiltration der Gallenblasenwand (T1,T2) ist eine radikale Zweitoperation (Leberteilresektion im Bereich des Gallenblasenbettes, regionale Lymphadenektomie) indiziert. Bei einem elektiven Eingriff wegen eines präoperativ diagnostizierten Gallenblasenkarzinoms (Stadium I-III) sollte eine Radikaloperation angestrebt werden (En bloc-Resektion der Gallenblase mit 4. und 5. Lebersegment sowie Exstirpation sämtlicher Lymphknoten aus dem Ligamentum hepatoduodenale, der supraduodenalen Region bis zum Truncus coeliacus). Beim Choledochuskarzinom reicht die Therapie von der Segmentresektion bis zur partiellen Duodenopankreatektomie nach Whipple. Beim Gallengangskarzinom reicht die mikroskopische Tumorinvasion meist weit über die makroskopischen Tumorgrenzen hinaus. Die Therapie ist daher eine zentrale Leberresektion oder eine Hemihepatektomie rechts. Prognose/Überleben: Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt beim Gallenblasenkarzinom je nach Stadium 10-56%, beim Gallengangskarzinom 10-20%, bei distalem Choledochuskarzinom 30 %. Prävention/Früherkennung:
Früherkennung: Regelmäßiges Gallenblasenscreening bei Colitis ulcerosa-Patienten ist empfehlenswert.
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