Literaturempfehlungen von ACO-ASSO Experten, Mai 2018

Literaturempfehlungen ausgewählt von

Prim. Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Matthias ZITT

(Krankenhaus Dornbirn, Abteilung für Chirurgie)

Titel
„Perioperative chemotherapy with docetaxel, oxaliplatin, fluorouracil/leucovorin (FLOT) versus epirubicin, cisplatin, and fluorouracil or capecitabine (ECF/ECX) for resectable gastric or gastroesophageal junction (GEJ) adenocarcinoma (FLOT-AIO): A multicenter, randomized phase 3 trial.

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Literaturangabe
J Clin Oncol 2017; 35 (suppl; abstr 4004); (Abstract am ASCO 2017)

Wovon handelt diese Publikation?
Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen, resektablen histologisch verifizierten Karzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs erhalten seit vielen Jahren als Standardbehandlung eine perioperative Chemotherapie, in welche die Operation eingebettet ist. Die dabei verwendete Chemotherapie war bisher anthrazyklinbasiert, sprich entweder ECF, ECX oder EOX.

Die hier empfohlene FLOT4-Studie ist eine multizentrische, randomisierte Phase-III-Studie (Patienten: n=716), welche ECF/ECX (3 Zyklen prä- und 3 Zyklen postoperativ) mit einer taxanbasierten Chemotherapie (FLOT; 4 Zyklen prä- und 4 Zyklen postoperativ) vergleicht.

Dabei verbesserte FLOT das Gesamtüberleben um 15 Monate (p=0.012) und das progressionsfreie Überleben um 12 Monate (p=0.004). Die perioperativen Komplikationen waren ausgeglichen.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben?
Die perioperative Chemotherapie nach dem FLOT-Schema kann diesen Ergebnissen nach durchaus als neuer Standard in der Behandlung des lokal fortgeschrittenen, resektablen histologisch verifizierten Karzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs angesehen werden.

 

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Alexander PERATHONER

(Medizinische Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie Innsbruck)

Titel:
Patients with Peritoneal Carcinomatosis from Gastric Cancer Treated with Cytoreductive Surgery and Hyperthermic Intraperitoneal Chemotherapy: Is Cure a Possibility?

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Literaturangabe:
Chia CS et al., Ann Surg Oncol. 2016 Jun;23(6):1971-9. doi: 10.1245/s10434-015-5081-3. Epub 2016 Jan 11. PMID:26753751.

Wovon handelt diese Publikation:
Die Autoren beschreiben in dieser retrospektiven single-center Studie 81 Fälle von Patienten mit einem Magenkarzinom mit synchroner Peritonealkarzinose, bei denen in kurativer Intention eine onkologisch radikale Resektion mit Peritonektomie und hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC) durchgeführt worden war. Das 5-Jahres Gesamtüberleben betrug 18 %, eine Heilung konnte bei 11% der Patienten erzielt werden. Die multivariate Analyse zeigt, dass der Peritonealkarzinoseindex (PCI <7) und der Completeness of Cytoreduction Score (CCS 0) signifikante Faktoren für das Überleben darstellen.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Es handelt sich um eine der umfangreichsten Studien zum Thema der Peritonealkarzinosebehandlung beim Magenkarzinom. Die Studie beweist, dass in selektionierten Fällen eine Heilung möglich ist und empfiehlt einen PCI <7 und einen CCS 0 als Voraussetzung für eine kurative Behandlung. Die Ergebnisse der Studie erlauben erstmals eine wissenschaftlich fundierte Definition von objektiven Kriterien als Entscheidungshilfe für eine HIPEC beim peritoneal metastasierten Magenkarzinom.

 

Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus EMMANUEL

(Paracelsus Private Medizinische Universität Salzburg, Universitätsklinik für Chirurgie)

Titel:
A High Lymph Node Yield is Associated with Prolonged Survival in Elderly Patients Undergoing Curative Gastrectomy for Cancer: A Dutch Population-Based Cohort Study

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Literaturangabe:
Ann Surg Oncol (2017) 24:2213–2223 DOI 10.1245/s10434-017-5815-5
Hylke J. F. Brenkman, Lucas Goense, Lodewijk A. Brosens, Nadia Haj Mohammad, Frank P. Vleggaar, Jelle P. Ruurda, Richard van Hillegersberg

Wovon handelt diese Publikation:
Die Studie untersucht, ob die Anzahl der resezierten Lymphkonten im Rahmen einer Gastrektomie bei älteren Patienten einen Einfluss auf den Outcome der Patienten hat.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Im Gegensatz zu rezenten Publikationen zeigt diese Studie, daß auch bei älteren Patienten eine hohe Lymphkontenresektionsrate angestrebt werden sollte. Wie bei jungen Patienten führt eine hohe Anzahl an resezierten Lymphkonten zu einem besseren onkologischen Ergebnis, ohne dabei die postoperative Morbidität zu erhöhen.

 

Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold FÜGGER

(Ordensklinikum Linz, Abteilung für Chirurgie)

Titel:
Meta-analysis of health-related quality of life after minimally invasive versus open oesophagectomy for oesophageal cancer

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Literaturangabe:
Kauppila JH et al. Br J Surg 2017; 104:1131-1140

Wovon handelt diese Publikation:
Eine Metaanalyse über 9 Studien zur postoperativen Lebensqualität. Drei Monate postoperativ sind die allgemeine Lebensqualität, Schmerz und Fatigue bei minimal invasiver Operation besser als bei konventioneller Ösophagektomie. Nach 6 und 12 Monaten lassen sich diese Unterschiede nicht mehr nachweisen.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Die minimal invasive Ösophagusresektion scheint der konventionellen Ösophagusresektion in Hinblick auf die frühzeitige postoperative Morbidität und Lebensqualität überlegen zu sein.

 

Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Erwin RIEDER

(Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Chirurgie)

Titel:
Impact of Lymph Node Yield on Overall Survival in Patients Treated With Neoadjuvant Chemoradiotherapy Followed by Esophagectomy for Cancer
A Population-based Cohort Study in the Netherlands

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Literaturangabe:
Visser E, van Rossum, Ruurda JP, et al. Ann Surg 2017;266:863-869

Wovon handelt diese Publikation?
Die Anzahl der resezierten Lymphknoten wurde in zahlreichen Studien als unabhängiger prognostischer Faktor für ein verbessertes Langzeitüberleben nach Ösophagektomie beim Ösophaguskarzinom identifiziert. Mittlerweile ist aber eine neoadjuvante Radiochemotherapie vor der Ösophagusresektion bei lokal fortgeschrittenen Ösophaguskarzinomen ein Standardvorgehen in vielen Ländern. Rezente Studien haben nun den Wert einer ausgedehnten Lymphadenektomie (posteriores Mediastinum, oberes Abdomen), bei neoadjuvant radiochemotherapierten Patienten in Frage gestellt. Die aktuelle Publikation analysierte die Relevanz der ausgedehnten Lymphadenektomie auf das Gesamtüberleben von Patienten mit neoadjuvanter Radiochemotherapie vor Resektion im Rahmen einer großen Kohortenstudie.

Die Autoren konnten zeigen, dass auch bei neoadjuvant radiochemotherapierten Ösophaguskarzinom-Patienten einer höhere Anzahl an resezierten Lymphknoten (≥ 15 versus < 15 resezierten Lymhknoten) zu einem verbessertem Gesamtüberleben führt. Dieser Effekt der ausgedehnten Lymphadenktomie zeigte sich auch in allen Subgruppen (Plattenepithel- oder Adenokarzinom, cN0 oder cN+, transthorakal oder transhiatal, und ypN0 oder ypN1) sowie in einer multivariaten Analyse. Eine ausgedehnte Lymphadenektomie bei der Ösophagusresektion nach neoadjuvanter Radiochemotherapie scheint daher nicht nur eine prognostischen sondern auch einen therapeutischen Wert zu haben.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben?
Die Arbeit ist, mit einer Patientenzahl von n=2698, die bis dato größte Studie, welche den Effekt der chirurgischen Lymphadenektomie auf das Gesamtüberleben von neoadjuvant radiochemotherapierten Patienten evaluierte.

 

Prim. Univ. Prof. Dr. Jörg TSCHMELITSCH

(Krankenhaus St. Veit an der Glan, Abteilung für Chirurgie)

Titel:
Preoperative Chemoradiotherapy for Esophageal orJunctional Cancer – CROSS Study

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Literaturangabe:
P. van Hagen et al. NEJM 2012; 366:2074-2084

Wovon handelt diese Publikation:
In dieser Studie konnte gezeigt werden dass eine neoadjuvante Therapie des Ösophaguskarzinoms bzw Karzinoms des gastroösohagealen Übergangs mit Carboplatin, Paclitaxel und 41 Gy Strahlentherapie zu einer signifikanten Verbesserung des Überlebens führt. Diese Therapie sollte daher als Standard vor Ösophagusresektionen in Betracht gezogen werden.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Jeder onkologische Chirurg sollte in seinem Spezialgebiet die wesentlichen Publikationen zum „state of the art“ der Behandlung kennen um im Tumorboard auf Augenhöhe mit den Kollegen aus anderen onkologischen Fachbereichen diskutieren zu können. Dies gilt umso mehr als heute ein interdisziplinäres Herangehen an onkologische Erkrankung gefordert ist.

 

Priv.-Doz. Dr. Charlotte RABL

(Paracelsus Private Medizinische Universität Salzburg, Universitätsklinik für Chirurgie)

Titel:
Prognostic impact of nodal status and therapeutic implications

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Literaturangabe:
Ott K et al., Transl Gastroenterol Hepatol. 2017 Mar 15;2:15

Wovon handelt diese Publikation:
In dieser Review-Arbeit wird auf die prognostische und therapeutische Wichtigkeit einer D2-Lymphadenektomie bei der chirurgischen Behandlung des Magenkarzinoms (sowohl bei der primären Resektion als auch nach neoadjuvanter Therapie) aufmerksam gemacht.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Die Lymphadenektomie ist eine Maßnahme, die wir als Chirurgen beeinflussen können und damit auch die Prognose eines Patienten.

Das Ausmaß der Lymphadenektomie wird aktuell erneut diskutiert aufgrund aggressiverer Chemotherapien mit einer hohen Ansprechrate im Primärtumor, einer Zunahme an laparoskopischen Eingriffen und bei älteren Patienten mit Ko-Morbiditäten.

Die D2-Lymphadenektomie (LAD) ist heutzutage als Standard in den westlichen Zentren akzeptiert. Entsprechend den deutschen S3 Leitlinien wird die Entfernung von zumindest 25 Lymphknoten (LN) als adäquate Anzahl für eine D2 LAD empfohlen. Das Vorhandensein sowie die Anzahl an LN-Metastasen sind Prädiktoren für das Überleben. Auch die Lymphknoten-Ratio (LNR) ist von einigen Autoren als unabhängiger Prädiktor für das Überleben beschrieben worden. Die Rolle der LN-Metastasierung als  relevanter prognostischer  Faktor  nach neoadjuvanter Therapie ist noch nicht geklärt, aber die ypN-Kategorie und die LNR scheinen eine wichtige prognostische Rolle zu spielen.

 

Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Jörg LINDENMANN

(Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Chirurgie)

Titel:
„Difficult Decisions in Thoracic Surgery- An Evidence- Based Approach“

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Literaturangabe:
Editor: Mark K. Ferguson, Springer- Verlag London, 2nd Edition 2011(ISBN 978-1-84996-364-0; e-ISBN 978-1-84996-492-0)

Wovon handelt diese Publikation:
Ferguson hat mit dieser Buchreihe die häufigsten Fragen und Problemstellungen des gesamten Spektrums der Thoraxchirurgie, welche sich im Rahmen des chirurgischen Alltags ergeben, ausführlich behandelt. Abgesehen von der Chirurgie der Lunge, der Pleura und des Mediastinums, bildet auch die Ösophaguschirurgie einen thematischen Schwerpunkt. Insbesonders komplexe Aspekte der multimodalen bzw. chirurgischen Therapie des Ösophaguskarzinoms bzw. des Karzinoms des gastro-ösophagealen Überganges, werden in einzelnen Kapiteln detailliert beleuchtet.

Kontroverse Themen wie z.B. das richtige Ausmaß der onkochirurgischen Lymphknotendissektion, minimal-invasive versus offene Ösophagektomie, cervikale oder intrathorakale Anastomose, transhiatale versus transthorakale Ösophagektomie, etc.  werden gemäß der Indikationsstellung, in Bezug auf die Datenlage, Pro und Contra und hinsichtlich der praxisrelevanten Aspekte diskutiert und erläutert. Zum Schluß jeden Kapitels wird eine dementsprechende Empfehlung über die jeweilige Thematik abgegeben. Dass dieses Buch durchaus Praxisrelevanz hat, unterstreicht die Tatsache, dass auch das adäquate Management postoperativer Komplikationen, wie z.B. die Anastomoseninsuffizienz oder die Magenentleerungsstörung ausführlich abgehandelt wird.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
In meinen Augen bietet diese Buchreihe eine optimale Ergänzung für den klinisch- chirurgischen Alltag. Besonders das Gebiet der onkologischen Ösophaguschirurgie stellt eine komplexe und teils komplikative  Herausforderung dar, was sowohl die chirurgischen Fertigkeiten und das Fachwissen, als auch die jeweilige postoperative onkochirurgische Führung des Patienten betrifft.

Gerade für junge Kolleginnen und Kollegen ist es wichtig zu verstehen, dass trotz standardisierter Operationstechniken und etablierter interdisziplinärer Therapieschemata, nach wie vor die individualisierte Chirurgie entsprechend dem jeweiligen Tumorstadium, im Vordergrund steht.

Im Zuge der Lektüre dieses Buches ist man angehalten, sich mit den angeführten Fragen und Problemstellungen kritisch zu befassen, sie im Lichte der eigenen täglichen Praxis zu sehen und die abgegebenen Empfehlungen, sofern geeignet, in den chirurgischen Alltag einfließen zu lassen. Dabei gilt zu beachten, dass eine Empfehlung nie verallgemeinert werden darf, sondern individuell an den Patienten angepasst gehört, damit anschließend unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation gehandelt werden kann. Der Chirurg muss somit sein eigenes Urteilsvermögen, seine Erfahrung und seine kritische Selbstreflexion mit einbringen, um die abgegebenen Empfehlungen und Guidelines optimal für und vor allem im Sinne des Patienten nutzen zu können.

 

Priv.-Doz. Dr. Oliver KOCH

(Paracelsus Private Medizinische Universität Salzburg, Universitätsklinik für Chirurgie)

Titel:
Minimally invasive versus open oesophagectomy for patients with oesophageal cancer: a multicentre, open-label, randomised controlled trial

Weitere Informationen

Literaturangabe:
Surya S A Y Biere et al., Lancet 2012; 379: 1887–92 DOI:10.1016/S01406736(12)60516-9

Wovon handelt diese Publikation:
Der TIME Trial vergleicht die komplett minimalinvasive Ösophagektomie mit dem konventionellen offenen Verfahren.

Warum sollte man diese Publikation gelesen haben:
Es handelt sich um die erste Studie, die gezeigt hat, dass die minimal invasive Ösophagektomie Vorteile gegenüber dem konventionellen offenen Vorgehen hat.