Consensus-Bericht Magenkarzinom

12. Radiotherapie beim Magenkarzinom

Koordination:
R. Pötter, Wien
W. Dobrowsky, Wien

Unter Mitarbeit von:
W. Rhomberg, Feldkirch

Problemstellung

Obwohl auch dem Magenkarzinom eine gewisse Strahlensensibilität zugesprochen werden kann, stellt die Schädigung benachbarter Organe ein Hauptproblem dar. Durch Anwendung der intraoperativen Radiotherapie können möglicherweise Prognoseverbesserungen ohne dieses Problem erreicht werden. In der palliativen Situation sollte der Einsatz der Strahlentheraie vor allem im Rahmen der Schmerzbekämpfung in Erwägung gezogen werden.

Das Magenkarzinom kann trotz weit verbreiteter gegenteiliger Meinung nicht als strahlenresistent angesehen werden. Historisch liegen Mitteilungen in der Literatur vor, die eine Strahlenempfindlichkeit zeigen, die mit anderen Adenokarzinomen vergleichbar scheint.

Die lokale Tumorkontrolle stellt eines der Hauptprobleme bei lokal fortgeschrittenen, nicht metastasierten Magenkarzinomen dar. Deshalb werden verschiedene lokal einsetzende adjuvante Maßnahmen erprobt, wie z.B. die intraoperative Radiotherapie oder die perkutane Radiotherapie in Kombination mit einer Chemotherapie in speziellen Risikogruppen. Der Wert einer routinemäßigen adjuvanten Radiotherapie ist nicht erwiesen und kann deshalb für den allgemeinen klinischen Einsatz nicht empfohlen werden.

Eines der entscheidenden Probleme in der perkutanen Strahlenbehandlung des Magenkarzinoms ist die Mitbestrahlung der in unmittelbarer Nähe des Zielvolumens befindlichen Risikoorgane wie Duodenum, Dünndarm und Nieren mit der Möglichkeit einer auch langfristigen Beeinträchtigung der entsprechenden Organfunktionen. Bei einer intraoperativen Radiotherapie können diese Risikoorgane zum überwiegenden Teil aus dem Strahlenfeld verlagert werden. Bei Einsatz der intraoperativen Radiotherapie konnten Studien einen Vorteil dieser Methode für bestimmte fortgeschrittene Tumorstadien gegenüber der konventionellen perkutanen Radiotherapie nachweisen. Jedoch gilt auch diese Therapieform nach wie vor als experimentell und kann für den allgemeinen klinischen Einsatz nicht empfohlen werden. Die intraoperative Radiotherapie wird derzeit an einzelnen Zentren im Rahmen von Studien erprobt.

Im Falle eines inkurrablen Tumors mit erheblicher lokaler Schmerzsymptomatik kann in palliativer Absicht die Radiotherapie mit oder ohne Chemotherapie (z.B. 5-FU) eingesetzt werden (z.B. 30 bis 40 Gy in 3-4 Wochen) und zu einer Verbesserung der Lebensqualität im Sinne einer Schmerzlinderung führen. Die Ansprechraten eines derartigen Vorgehens liegen bei weit über 60%. Ein ähnliches Vorgehen ist ebenfalls bei Knochenmetastasen möglich und sinnvoll.

Zusammenfassung

Grundsätzlich zeigt das Magenkarzinom die gleiche Strahlenempfindlichkeit wie andere Adenokarzinome.

  • Die Nähe des Dünndarmes und die damit verbundene Gefahr von schwerwiegenden Strahlenschäden erweist sich jedoch bei der perkutanen Bestrahlung als Hindernis.
  • Die intraoperative Bestrahlung vermeidet dieses Problem, steht jedoch zur Zeit an nur wenigen Zentren in Erprobung.
  • Die Radiotherapie kann in der pal- liativen Phase besonders zur Schmerzbekämpfung (z.B. Knochenmetastasen) erfolgreich zur Anwendung gebracht werden.