Consensus-Bericht Kolorektalkarzinom

Consensus-Bericht Kolorektalkarzinom Inhalt

Die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms ist in sämtlichen hochindustrialisierten Ländern mit Ausnahme Japans stark steigend. In Prozenten entfallen weltweit 9%, in Österreich 13% und in den USA 15% aller Tumorerkrankungen auf dieses Karzinom. Der Prozentsatz an der Gesamt-Krebsmortalität in Österreich liegt bei 13.1%.

Diese Karzinomentität hat daher im Rahmen der österreichischen Gesundheitsvorsorge eine eminente Bedeutung. Bei frühzeitiger Diagnosestellung kann diese weitverbreitete Tumorerkrankung durch die chirurgische Therapie allein zu einem hohen Prozentsatz geheiltwerden und das bei geringer Morbidität und Letalität. Primär- und Sekundärprävention, entsprechende Screeningprogramme und eine Optimierung der Frühdiagnostik sind daher von außerordentlichem medizinischem und gesundheitspolitischem Interesse. Fortschritte auf dem Gebiet der Genetik, Biochemie, Tumorbiologie sowie ätiologische Forschungen haben viel zum Verständnis der Pathogenese dieser Tumorerkrankung beigetragen. Eingang in die klinische Anwendung haben diese neuen Erkenntnisse aber bislang nur teilweise gefunden. Histopathologische Forschungen, eine Standardisierung und fortlaufende Verbesserung der operativen Therapiestrategien haben im allgemeinen neben einer deutlichen Steigerung der Heilungsraten zu einer drastischen Verringerung von Morbidität und Letalität geführt. Für bestimmte Tumorstadien können heute ziemlich exakte Prognosevorhersagen getroffen werden, und für Patienten mit hohem Rezidivrisiko sind neoadjuvante und adjuvante Therapienetabliert oder in Aussicht.

Wichtig erscheint ein hoher Qualitätsstandard in bezug auf Primärdiagnostik, histopathologische Diagnostik und chirurgische Therapie. Was an Radikalität beim Ersteingriff versäumt wurde, kann in der Folge weder durch einen Sekundäreingriff noch durch additive Therapien wettgemacht werden. Dieser Consensusbericht hat sich die Aufgabe gestellt, in einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Epidemiologen, Genetikern, Molekularpathologen, Gastroenterologen, Chirurgen, Pathologen, Radiologen und Onkologen einen Überblick über den heutigen Wissensstand dieser Tumorerkrankung zu vermitteln. Erfolgversprechende Entwicklungen weisen in eine Zukunft der genetischen und molekularbiologischen Entschlüsselung des Tumorgeschehens; der weite Weg „From Gene to Cure“ ist vorgezeichnet, aber nicht vollendet. So wird es notwendig sein, weiter das bisher reich vorhandene Wissen optimal in die Therapie umzusetzen und über eine verbesserte Prävention, Screeningprogramme, Frühdiagnose und vorhandene Therapiestrategien die Sterblichkeit dieser Erkrankung zu verringern.

Unser besonderer Dank gilt all jenen Kollegen, welche durch ihr Wissen und ihre reiche Erfahrung zum Zustandekommen dieses Consensusberichtes beigetragen haben. Unser Wunsch ist es aber auch, in der Öffentlichkeit das Bewußtsein für ein breites Gesundheitsverständnis zu wecken. Dazu gehört neben einer Verbesserung der Umwelt- und Lebensbedingungen, auch eine Verbesserung der sozialmedizinischen und vorsorgemedizinischen Standards.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Gerhard R. Jatzko
Univ.Prof. Dr. Michael G. Smola
Graz, St. Veit, September 1995